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Infanterieausbildung

Aus U-Boot-Archiv Wiki

Datenblatt Infanterieausbildung
In der Reichsmarine und Kriegsmarine war die Infanterieausbildung das fundamentale Erziehungswerkzeug, um aus Zivilisten disziplinierte Soldaten zu formen, bevor die fachspezifische Ausbildung auf U-Booten oder Sicherungsfahrzeugen begann. Diese Ausbildung fand unmittelbar nach dem Eintritt in die Marine im Rahmen der Grundausbildung statt, primär in den Schiffsstammabteilungen (wie der I. Schiffsstammabteilung der Ostsee in Kiel oder II. Schiffsstammabteilung in Stralsund).
Anfang, Inhalte und Schwerpunkte
Anfang: Systematische Lehrgänge wurden ab 1935 durchgeführt, gewannen aber ab 1942 massiv an Bedeutung. Standorte waren die Marine-Stammabteilungen oder spezielle Marine-Lehrabteilungen.
Formaldienst: Das Exerzieren ohne und mit Waffe, das Marschieren im Verband und die Ausbildung im militärischen Gruß standen an erster Stelle. Dies diente der körperlichen Ertüchtigung und der Einordnung in die militärische Hierarchie.
Waffenausbildung: Die Mannschaften wurden intensiv am Karabiner 98k geschult. Dies umfasste das Schießen, das Zerlegen und Reinigen sowie die Handhabung unter Gefechtsbedingungen.
Gefechtsdienst im Gelände: Die Ausbildung beinhaltete das Verhalten im Feld, Tarnung, das Überwinden von Hindernissen und den Nahkampf. Ziel war die Befähigung zum Einsatz im Küstenschutz oder bei Landungsunternehmen.
Wachdienst: Ein wesentlicher Teil war die Vorbereitung auf die Funktion als Wachgänger. Hierzu gehörte der Unterricht in den Wachvorschriften und der Marine-Dienstvorschrift Nummer 293 (Bordordnung).
Ende: In den letzten Kriegsmonaten des Jahres 1945 wurde die Bedeutung der Infanterieausbildung erneut kritisch, als das Marinepersonal massiv in Marine-Schützen-Bataillone überführt wurde. Soldaten, die Jahre zuvor nur eine kurze Grundausbildung erhalten hatten, mussten nun im Erdkampf gegen vorrückende Panzer- und Infanterieverbände bestehen.
Relevanz für die U-Boot-Waffe
Stützpunktverteidigung: U-Boot-Besatzungen mussten in der Lage sein, ihre Stützpunkte (z. B. in Norwegen oder den Atlantikfestungen) bei feindlichen Kommando-Unternehmen oder Luftlandungen infanteristisch zu verteidigen.
Alarmeinheiten: In der Endphase des Krieges wurden U-Boot-Männer, die auf ein neues Boot warteten (Personalreserve), aufgrund ihrer hohen Disziplin oft infanteristisch nachgeschult, um als mobile Alarmeinheiten eingesetzt zu werden.
Personalhistorische Einordnung: In den Stammrollen (BArch RM 121/642) kennzeichnet dieser Lehrgang oft eine Phase zwischen zwei Bordkommandos oder die Vorbereitung auf den Dienst in einer Marinedienststelle in den besetzten Gebieten.
Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) | Invenio Online-Recherche
BArch RM 121 / 162 Dienstvorschriften über die infanteristische Ausbildung des schwimmenden Personals der Kriegsmarine
BArch RM 121 / 642 Stammrollen der Marine-Lehrabteilungen mit Nachweisen über die Teilnahme an Infanterielehrgängen
BArch RM 3 / 1024 Akten des OKM zur Aufstellung von Marine-Schützen-Verbänden aus der Personalreserve
Literaturverweise
Lohmann, W. / Hildebrand, H. H.: Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945 (Band III, Kapitel zur infanteristischen Ausbildung und den Marine-Schützen-Regimentern)
Tessin, Georg: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht (Band 14, zur Übersicht der Marine-Infanterie-Einheiten)
Harnack, Wolfgang: Die Verteidigung der Küsten (Details zur Rolle der Marine-Infanterie beim Schutz der U-Boot-Stützpunkte)
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